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11. Etappe: Sterzing - Längenfeld

Reichlich früh wache ich auf – halb 8 – so früh sind wir nie aufgestanden. Das Wetter sieht wieder nach ordentlich Hochnebel aus – insgesamt so, als würde es nicht mehr lange so richtig gut bleiben. Nach Haferflocken mit Kaba, Bananen und Milch zum Frühstück geht’s dann los mit dem Jaufenpass. Schon komisch, plötzlich so ganz alleine zu radeln, die Unterhaltung fehlt ziemlich. Allerdings fällt es mir nicht schwer, einen guten Rhythmus zu finden. Den Pass fahre ich fast nur mit einer Pause – bis dann eben das passiert, was man wohl gleich nach dem Rahmenbruch als Supergau bezeichnen könnte. 100 Höhenmeter unter der Passhöhe tret ich beim Schalten plötzlich ins Leere. Ist die Kette runter? Aus der Schaltposition fast nicht möglich. Ein kurzer Blick zu den Ritzeln klärt die Sache: Kettenriss.

Jetzt endlich weiß ich, warum wir wohl summa summarum 10.000km einen Kettennieter durch die Gegend gefahren haben. Heute kommt er zum ersten Mal zum Einsatz und das auch noch in einer Situation, bei der sonst gar nix hilft. Neben der schmalen Straße, bei 9 Grad Kälte und Nebel mit 50m Sicht fang ich an, die Kette zu nieten. Dummerweise hat mein schwäbischer Spartrieb zu einer SRAM Billigkette geführt, die wohl nicht ganz kompatibel mit der Shiman HG Kette war, für die wir Nieten dabei hatten. Die Folge war, dass die Kette zunächst mal am gebrochenen Glied quasi unbeweglich – ein ziemliches Problem. Nach einigem Hin- und Hergeniete hat es aber dann doch geklappt und das Olivenöl mit Pepperoni sorgte für einen weiteren einwandfreien Lauf der Kette. Noch mal Glück gehabt. Ohne das ich es verschreien möchte, aber die Kette ist genau am Kettenschloss gerissen. In Zukunft werde ich meine neuen Ketten wieder nieten.

Mit einer guten Stunde Verspätung war dann die Passhöhe vom Jaufenpass erreicht. Nix schönes, mitten im Nebel und saukalt. So schnell wie möglich versuche ich, inzwischen auch ziemlich Unterkühlt in Richtung St. Leonhard zu kommen. In meinem Kopf macht sich langsam der Gedanke breit, dass das Timmelsjoch vielleicht heute auch noch zu packen sei. Aber so richtig vorstellen konnte ich es mir noch nicht. Immerhin waren schon 1100 Höhenmeter geradelt und das Timmelsjoch versprach nochmal ca. 1900. Das wären dann immerhin 1000 Höhenmeter mehr, als wir bis jetzt höchstens am Tag geradelt sind.

St. Leonhard ist schnell erreicht und ich beschließe noch weiter bis Moos zu radeln und dort dann ausgiebig zu rasten. Die 6 Kilometer zwischen St. Leonhard und Moos lassen erahnen, wie wohl der Verkehr am Timmelsjoch werden wird.

Um 13:15 – etwas 45 Minuten früher als geplant fahre ich weiter und beschließe nach dem ganz strickten Pausenplan zu fahren, dass ich alle 200 Höhenmeter – spätestens jedoch noch 20 Minuten immer 5 Minuten Pause mache. Die Taktik geht ganz gut auf. Die 200 Höhenmeter – Schritta machen das ganze Überschaubar. Man zählt nicht mehr die endlos erscheinenden Höhenmeter runter, die noch zu machen sind, sondern nur noch die Pausen – un davon gibt’s ja nicht so viele. Vor dem letzten Bergrestaurant vor Passhöhe wird nochmal ordentlich Nudelsuppe gelöffelt. Eine Portion für 4 Personen ist in null komma nix weg. Dann geht’s noch die letzten 600 Höhenmeter weiter. Oder besser gesagt noch 3 Pausen. Nach einer langgezogenen Geraden fangen jetzt die spektakulären Kehren an, an deren Spitze immer ein Warnschild steht, dass es nach dem 20cm hohen Mäuerchen gewaltig bergab geht – kaum zu übersehen.

Die Passhöhe versteckt sich in so dichtem Nebel, dass man keine 50m mehr weit sieht. Die Freude über den erreichten neuen Höhenmeterrekord ist aber riesig. Ganz vergessen die 150 Höhenmeter, die das Timmelsjoch hinterlistig bei der vermeintlichen Abfahrt nochmal von einem fordert. Die Abfahrt ist auch nochmal Highspeed – verdächtig, bei 84 km/h hört mein Tacho auf die Geschwindigkeit anzuzeigen. Der Gegenanstieg wird mit über 80 km/h angefahren und zieht sich trotzdem elends lang. Gegenwind vom zusammenbrechenden Fön macht die Abfahrt leider nicht so spassig, wie sie hätte sein können.

Das Ötztal runter lauft immer leicht bergab und der ersehnte Campingplatz in Längenfeld ist um 19:30 erreicht. Ein Kaspfandl im Restaurant nebenan stillt den ersten Hunger. Flips und Gummibärchen geben mir an diesem Abend den Rest. Nachts pfeift der Fönwind durchs Tal und bringt mich um den Schlaf.