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From Dusk till Down - 19.08.2009

TourennameFrom Dusk till Down
BeschreibungEigentlich sollte es einfach eine weitere Eisrinne werden. Etwas steiler vielleicht, aber sicherlich nicht die 11,5h Tour, die es am Schluss wurde. Für eine Hochtour war alles etwas anders als normal. Losgegangen sind wir abends um 18 Uhr - es war ja die ganze Zeit hell. Danach ging es erst mal 1,5h über den Formidablebreen bis zu einer weithin sichtbaren Rinne unterhalb des Snoekuppelen. Beim Abmarsch lag der Berg noch zur Hälfte im Nebel, wir konnten also bei der Rinne nicht so genau erkennen, ob es obenraus überhaupt noch Eis hatte oder alles zusammen irgendwo im Fels endete.

Nach 1h zog der Nebel langsam höher und wir konnten mehr und mehr von der Wand sehen, durch die wir klettern wollten. Geschätzte Höhe zu dem Zeitpunkt ca. 500m. Unterhalb des Schneefeldes zum Anfang der Rinne legten wir unsere Steigeisen an, mussten zu unserer Ernüchterung aber gleichzeitig feststellen, dass die vermeintlich steile Flanke schon gleich mal flacher wurde, je näher wir kamen. Darum wurde aus der Eiskletterei erst mal ein Hatscher über 30° Firngelände.

Nach etwa der Hälfte an Höhe begann die Rinne deutlich schmaler zu werden und damit auch steiler. So ging es durch blanker werdenden Firn, durchsetzt mit Steinen von 40 über 45 und schließlich ca. 50° weiter. Nach und nach hörte man unter dem Eis immer deutlicher einen Bach rauschen. Als die Eisauflage schließlich unter Einwirkung unserer Eisgeräte ziemlich hohl klang, entschieden wir uns nach links in den Fels auszuweichen und erwischten eine günstige Felsrinne im 3. Grad, die uns auf den Grat brachte.

Von hier begann zunächst mal eine klassische Hochtour. Angeseilt ging es über 30 - 35° steiles Spaltengelände und hinauf auf die nicht enden-wollende Schneekuppe der Snoekuppelen. Nach 1,5h Hatscherei mit Bruchharsch, Fauleis und allen anderen Schweinereien drehten wir schließlich nach ca. 7h Gesamtgehzeit um und erreichten eine Stunde später die Flanke über die wir eigentlich absteigen wollten.

Wie sich herausstellte, war diese erstens ziemlich steile (bis zu 45°) und zweitens sehr viel spaltiger als angenommen. Nachdem unser erster Mann zweimal einen Abgang in eine Spalte gemacht hatte (man konnte die Dinger nicht einmal erahnen), entschieden wir uns, dass dies nicht der Abstieg sein durfte. Wir drehten abermals um und gingen in einem weiten Bogen zurück auf den Grat, auf den wir aus der Rinne ausgestiegen sind. Direkt am Grat konnten wir zwischen Fels und Eisbruch noch ein paar Meter absteigen, danach war es auch hier zu steil. Einzige Möglichkeit: Querung des Eisbruchs um auf das vermeintlich freundlichere Gelände gegenüber zu kommen, unterhalb der Spalten, die wir von oben für unpassierbar hielten.

Das war alles viel einfacher gesagt, als getan. 8h anstrengende Tour, die Spurarbeit und langsam einsetzende Müdigkeit verlangten einiges an Konzentration, um den Eisbruch zu passieren. Wir gingen als Gletscherseilschaft mit Zwischensicherungen in Form von Eisschrauben, um die Seilschaft gegen Abrutschen zu sichern. Zunächst war das Gelände noch recht kletterfreundlich, endete jedoch kurz vor der rettenden Schneebrücke in einem nicht sicherbaren überhängenden Schneehaufen über den wir wohl oder übel runter mussten. So ließen wir unseren ersten Mann gesichert ab und kamen dann zu zweit nach. Für den letzten fanden wir noch eine Stelle, an der sich eine Abalakov anbringen ließ und nach einer weiteren Stunde waren wir alle über dem Bruch.

Inzwischen waren wir um die 9h unterwegs und alle ziemlich entkräftet. Der Abstieg über die Flanke war sehr steil und wir trauten dem Frieden mit den Spalten nicht und gingen angeseilt hinunter. Sicherlich eine nicht ganz 100% sichere Entscheidung, aber gegen einen Spaltensturz waren wir so gesichert und wir trauten uns zu, alle so sicher auf Steigeisen zu stehen, dass wir keinen Rutscher hinlegten. Immerhin lief das Gelände jetzt nach unten flach aus und wir hätten im schlimmsten Fall eine 100m Rutschbahn gebaut.

Der Weg zurück war dann nocheinmal Spitzbergen vom Feinsten: Die Mitternachts-Morgensonne hatte die Berge in ein tiefes gelb-orange-rotes Licht getüncht und die Stimmung war unbeschreiblich schön. 11,5h nach unserem Aufbruch vom Camp kamen wir zurück und freuten uns auf ein verdientes Abendessen. Zwar hatten wir den Gipfel des Snoekuppelen wohl um ein paar Meter verfehlt, aber immerhin den nördlichsten Punkt unserer Expedition erreicht und gleichzeitig wahrscheinlich mit 25-30km auch die längste Gehstrecke zurückgelegt. Diese Tour wird von den Teilnehmern keiner so schnell vergessen!
Bilder 
 
 
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